Die Zinskultur bedrohe die Sparkassen und Genossenschaftsbanken (Volks- und Raiffeisenbank) in Ihrer Existenz

Bereits im November 2014 haben wir von „Negativzinsen“ für Spareinlagen berichtet. Der Leitzins der EZB hat sich seitdem auch nicht erholt. Eine Besserung ist auch in absehbarer Zeit nicht in Sicht.

 

Diese Entwicklung ist für Sparkassen und Genossenschaftsbanken besorgniserregend. Gerade diese Institute, die zudem auch noch mit einem hohen Kostenapparat in der Fläche aufgestellt sind, leben von dem Zinsmargengeschäft. Sie nehmen Gelder von Kunden entgegen, angelegt beispielhaft auf dem Sparkonto, verzinsen diese dem derzeitigen Marktniveau entsprechend niedrig und reichen die Einlagen wieder an Darlehensnehmern zu höheren Zinsen heraus.

 

Bedingt durch das niedrige Zinsniveau wird es jedoch immer schwieriger, den Kunden das Sparen schmackhaft zu machen, mit der Folge, dass die günstigen Einlagen ausbleiben.

 

Ulf Brothuhn, Vorstandsvorsitzender der Bremischen Volksbank, resümiert, das die Ertragslage der Sparkassen und Volksbanken bei anhaltender Niedrigzinsphase deutlich unter Druck geraten könnte.

 

Folker Hellmeyer, Chefanalyst bei der Bremer Landesbank, geht davon aus, dass die Sparkassen und auch Genossenschaftsbanken nach Ablauf der nächsten zwei Jahre in eine prekäre Situation geraten und letztlich fusionieren müssen. Dieses gehe klar zu Lasten des Mittelstandes, weil regionales Knowhow abhanden kommt, so Hellmeyer. Dieser sei gerade das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

 

Neben der Niedrigzinspolitik trifft die Institute auch die Bankenregulierung, die auch die kleinen Institute verpflichtet, bestimmte, eher für systemrelevante große Banken gedacht, interne (Beobachtungs)Posten zum Beispiel Geldwäschebeauftragten, Compliancebeauftragten und sog. Whistleblower zu besetzen.

 

Günter Günnemann, Vorstandsvorsitzender des Kreissparkasse Syke, vermutet, dass die EZB keine Rücksicht auf die Strukturen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken nimmt, da sie sich mit deren Struktur gar nicht auseinandergesetzt habe.

 

Letztlich bleibt dem Sparer, der eine mündelsichere Anlage für sein Erspartes sucht, nur die Investition in den höher verzinsten längerfristigen Sparbrief.